Der Check-Up zur Zöliakie

Verdauungstrakt
Es ist erstaunlich, aber Tatsache: Die Zöliakie, eine vererbbare Autoimmunkrankheit des Dünndarmes, wird sehr häufig bei Reizdarm, Blähungen, Magenbeschwerden, aber auch Erschöpfung, Kopfschmerzen übersehen.

1:100-1:300 Menschen haben diese Erkrankung (Ewers et al., Gastroenterology, 2005); die Dunkelziffer liegt jedoch höher.

Häufig werden diese Patienten mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen, da ja nichts Spezielles zu finden ist…

Zöliakie-Kranke haben eine Überempfindlichkeit auf Gluten (Klebereiweiße) enthaltende Nahrungsmittel (Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste u.a.). In zwei Altersphasen kommt die Erkrankung besonders häufig vor: 1-4 Jahre (Tendenz: ins Schulalter gehend ) und >40 Jahre. Die Zöliakie entwickelt sich meist stumm über die Jahre, ohne dass Symptome auftreten. Die Autoimmunerkrankung zerstört nach und nach die Oberfläche des Dünndarmes. Es treten Resorptionsstörungen auf, mit fatalen Folgen:  Vitaminmangel (Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D), Mineralstoffmangel ( Zink, Magnesium, Eisen, Selen), Spurenelementmangel (Kupfer).  Eine Anämie, Eisenspeichermangel mit Ferritinmangel, und Leberwerterhöhungen sind sehr häufig.

Durch die erhöhte Durchlässigkeit der zerstörten Dünndarmoberfläche treten nicht gewünschte Stoffe mit reaktiven Immunstörungen in den Körper, die wiederum Allergien (Hautekzeme) auslösen können. Kopfschmerzen und Erschöpfung, wie auch Abgeschlagenheit, sind die Folge.

Die Glutensensitivität (Aziz et al., BMJ, 2012) entsteht durch nicht resorbierbare spezielle Kohlenhydrate (FODMAPs) oder durch Amylase-Trypsin-Inhibitoren, im z.B. Weizen, die das Immunsystem aktivieren und den Darm angreifen. (Neue Leitlinie seit 2012)

Die Abklärung einer Zöliakie ist meistens einfach möglich. Allerdings muss sehr genau in Einzelfällen nachgehakt werden, um eine sichere Diagnose zu erhalten. Dies benötigt Erfahrung und Zeit: die nehme ich mir in meiner Praxis!

Der Check-up für Zöliakie und Glutensensitivität:

  • Vorgeschichte: Beschwerden, Symptome, Familiengeschichte. Der untersuchende Arzt muss Erfahrung mit Zöliakie haben. Die Erkrankung ist wie ein Chamäleon.
  • Körperliche Untersuchung des Arztes
  • Ultraschalluntersuchung des Bauches (My LAB-Seven von ESAOTE)
  • Blutbild, hs-CRP, TNf-Alpha, Interleukin 6, Elektrophorese, Ferritin, Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Leberwerte
  • Tg-IGA (Transglutaminase IGA ) – Antikörper Bestimmung im Blut
  • Zusätzlich im Einzelfall die Bestimmung der EM (Endomysium) – Antikörper im Blut
  • Immer müssen gleichzeitig im Blut die Immunglobuline (hier IGA), mitbestimmt werden: 3% der Bevölkerung in D haben einen angeborenen Mangel: besteht dieser Mangel an IGA, dann sind die TG-Antikörper /EM-Antikörper Antikörper NICHT verwertbar:
  • Deamidertes Gliadin-Peptid IGG muss dann bestimmt werden!
  • Zöliakie-Patienten besitzen einen genetischen Abdruck: HLA DQ8 und HLA DQ2.  Da aber auch 20-25% der gesunden Bevölkerung diesen Abdruck besitzen, ist eine Genuntersuchung bei Zöliakie nur für besondere Fälle geeignet (z.B. die Familienuntersuchung bei Neuentdeckung einer Zöliakie eines Familienmitgliedes).
  • In den meisten Verdachts-Fällen muss eine Magen-Dünndarmspiegelung (medizinischer Kurzbegriff: ÖGD) erfolgen: die Gewebeuntersuchung (mindestens 4-5 Biopsien) muss eine Dünndarmzotten-Atrophie beweisen (Einteilung nach MARSH: mindestens II, besser III – Marsh et al., 1995).
  • Ist die Dünndarmbiopsie negativ, die TgAntikörper aber positiv: dann sollte eine Genuntersuchung, eine Gluten Belastung (Glutenhaltige Nahrungsmittel, wenn zumutbar) erfolgen. Die subklinischen, weniger auffälligen Zöliakie-Fälle sind die häufigsten Fälle.
  • Sind die Tg-Antikörper 10fach erhöht, die Anamnese mit zusätzlich Anämie, Eisenmangel, Vitamin B12-, Vitamin D-Mangel positiv, und zusätzlich die Genuntersuchung positiv: dann kann man gegebenenfalls auf eine Magen-, Dünndarmspiegelung verzichten. Die anschließende, komplett freie Ernährung beweist dann bei gleichzeitiger Normalisierung von Antikörpern und Blutwerten sowie Befinden die Diagnose.
  • Das Thema Glutensensitivität oder der neue Leitlinienbegriff „Nicht Gluten-Nicht Weizenallergie-Weizensensitibität“ werden bei jeder Erstvorstellung ausführlich besprochen und durch IGE/IGG Nahrungsmittel-Tests sowie Nahrungsumstellungen weiter abgeklärt. Wichtig ist hier die genaue Abgrenzung zu Zöliakie/Weizenallergie!
  • Glutenschnelltests haben eine hohe falsch positive wie falsch negative Rate: sowohl die Leitlinien der medizinischen wie der Zöliakie-Gesellschaft empfehlen diese Tests nicht!

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Ihre Dr. Eva Henneken

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